Mehr Aufträge, aber noch keine Bauwende


Die deutsche Bauwirtschaft hat im Juni deutlich mehr Aufträge verbucht, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe lag preis- und kalenderbereinigt 11,3 % über dem Vorjahresmonat, die realen Umsätze stiegen um 6,6 %. Sowohl Hoch- als auch Tiefbau legten zu. Auch im Dreimonatszeitraum von April bis Juni gingen mehr Aufträge ein. Trotzdem bleibt die Erholung fragil. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie hat seine Umsatzprognose für 2026 von 2,5 % auf 1 % gesenkt. Besonders schwach bleibt dabei der Wohnungsbau: Statt eines Plus von 2 % erwartet der Verband nun nur noch ein Wachstum von 0,5 %. Gebremst haben vor allem gestiegene Baukosten, besonders infolge des Iran-Kriegs, sowie die schleppende Auszahlung der Mittel aus dem Sondervermögen. Im Bereich Bauen und Wohnen floss bis Juli erst ein kleiner Teil ab. Dass die Prognose nicht ins Minus rutschte, ist nach Angaben des Verbands allein den starken Juni-Werten zu verdanken. Der schleppende Neubau hat zudem negative wirtschaftliche Folgen, wie der „Bau-Monitor“ des Pestel-Instituts im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel zeigt. Demnach fehlen in Deutschland aktuell rund 1,4 Millionen Wohnungen. 2025 wurden 206.000 Wohnungen und damit rund 85.000 Wohnungen weniger fertiggestellt als noch zwei Jahre davor. Allein für die Bauwirtschaft bedeute das innerhalb von zwei Jahren einen Umsatzverlust von etwa 26,9 Milliarden Euro, heißt es in der Studie. Das Bruttoinlandsprodukt sei dadurch um 0,6 Prozentpunkte geringer ausgefallen, die Steuereinnahmen um rund sieben Milliarden Euro niedriger.


Verwendete Quellen