Bondbeben: Was nach dem Zinsschock auf die Märkte zukommt
von Florian Tenbusch, GeschäftsführerAn den Anleihemärkten sind die langfristigen Kapitalmarktzinsen zuletzt rasant gestiegen, Fachleute sprechen bereits von einem „Bondbeben“. Im Zentrum stehen die USA, wo zehnjährige Staatsanleihen zuletzt über 5,33 % rentierten und damit so hoch wie seit fast 25 Jahren nicht mehr; dreißigjährige Papiere näherten sich der Marke von 6 %. Der Ökonom Mohamed El-Erian fasst die Lage zugespitzt zusammen: „Es sind unsere Schulden, aber es ist euer Problem.“ Amerika, so El-Erian, exportiere seine Schuldenkrise. Hintergrund ist eine seit Jahren gewachsene Schuldenlast. Die Schuldenquote der G7-Staaten ist von rund 78 % der Wirtschaftsleistung vor der Finanzkrise auf inzwischen etwa 124 % gestiegen, die US-Schulden überschritten erstmals 40 Billionen Dollar.
Auch Europa gehört zu den Betroffenen. Der Ifo-Chef Clemens Fuest warnt vor einer „Rückkehr der Euro-Krise“, anders als damals stehe diesmal Frankreich im Mittelpunkt. An den Finanzmärkten heißt es bereits, gegen das, was derzeit bei französischen Anleihen zu sehen sei, sei die letzte Euro-Krise „ein Kinderspiel“ gewesen. Frankreichs Staatsverschuldung liegt mit über 3,5 Billionen Euro bei fast 120 % der Wirtschaftsleistung und damit höher als die Italiens; zusammen stehen beide Länder für rund 47 % der Staatsverschuldung im Euroraum. Reformen scheitern dort immer wieder an Straßenprotesten. Die Ökonomen Markus Brunnermeier und Kenneth Rogoff warnen, Staaten weltweit hätten über Jahre immer neue Schulden aufgenommen, die „langfristig nicht tragbar“ seien; Investoren reagierten „zunehmend misstrauisch“. Für Deutschland ist das unmittelbar relevant, weil die Renditen der Bundesanleihen die Richtschnur für die Bauzinsen bilden. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten zuletzt bei rund 3,5 %; steigt dieser Wert, verteuert sich auch die Immobilienfinanzierung. Für Kaufinteressierte und Anschlussfinanzierende heißt das vor allem, dass das aktuelle Zinsniveau weniger eine vorübergehende Ausnahme als die neue Normalität sein dürfte. Wer finanziert, sollte die höheren Zinsen fest einplanen und auf eine tragfähige Rate sowie ausreichende Puffer achten
Verwendete Quelle
Handelsblatt: Was der Welt nach dem Zins-Schock bevorsteht(öffnet in neuem Fenster)