Höhere Zinsen, höhere Preise - Immobilienkäuferinnen und -käufer geraten von zwei Seiten unter Druck

Benjamin Hirsch, Senior Pressesprecher, Prohypvon Benjamin Hirsch, Unternehmenssprecher B2B-Geschäft/Baufinanzierung

Für Kaufinteressierte kommen derzeit zwei Entwicklungen zusammen: Die Bauzinsen für zehnjährige Darlehen liegen aktuell bei rund 4,4 %. Gleichzeitig ziehen die Angebotspreise vieler Immobilien weiter an. Neue Daten von Empirica Regio, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegen, zeigen: Bestandswohnungen waren im dritten Quartal bundesweit im Schnitt 6,6 % teurer als im Vorjahresquartal. In 322 von 400 deutschen Kreisen lagen die Angebotspreise für Bestandswohnungen höher als ein Jahr zuvor. Die Datengrundlage sind Inserate von mehr als 100 Immobilienplattformen, es handelt sich also ausdrücklich um Angebots- und nicht um tatsächlich erzielte Verkaufspreise. Damit rückt die Bezahlbarkeit noch stärker in den Mittelpunkt.

Ingo Foitzik, Geschäftsführer der Prohyp, beziffert gegenüber dem Handelsblatt die zusätzlichen Kreditkosten durch den schnellen Zinsanstieg bei einer durchschnittlichen Finanzierung auf rund 200 Euro im Monat. Einen grundsätzlichen Rückzug der Kaufinteressierten vom Immobilienmarkt beobachtet er dennoch nicht. Vielmehr seien Interessierte eher bereit, bei Lage, Größe oder Ausstattung Kompromisse einzugehen. Wie sich der Markt weiterentwickelt, ist offen. Reiner Braun, Vorstandsvorsitzender der Empirica AG, hält es für möglich, dass die Bestandspreise angesichts höherer Finanzierungskosten wieder nachgeben. Sinkt die Nachfrage, könnten Käuferinnen und Käufer wieder mehr Verhandlungsspielraum bekommen. Gleichzeitig zeigt das Prohyp-Bankenpanel bei den Bauzinsen kurzfristig eher auf eine Stabilisierung: 80 % der befragten Institute erwarten für die kommenden ein bis zwei Monate gleichbleibende Konditionen, 20 % fallende. Auf längere Sicht rechnen 60 % mit fallenden und 40 % mit steigenden Bauzinsen.