Stabile Preise, aber weniger Liquidität – was der Immobilienmarkt nach der Zinswende verbirgt


Der Zinsanstieg seit Anfang 2022 hat den Immobilienmarkt vor allem über die Zahl der Verkäufe getroffen, weniger über die Preise. Eine neue Analyse des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (GREIX) zeigt: Bei Eigentumswohnungen gingen die Transaktionen um gut 30 % zurück, die Preise dagegen nur um rund 15 %. Ein großer Teil der Anpassung erfolgte also über ausbleibende Verkäufe statt über niedrigere Preise. Dahinter stehen sehr unterschiedliche Muster. Im hochwertigen Segment brach die Zahl der Verkäufe bis Ende 2023 um fast die Hälfte ein, während die Preise nur um rund 9 % nachgaben. Im unteren Segment fiel der Mengenrückgang kleiner aus, der Preisrückgang dafür deutlich stärker. Der Grund liegt auf der Angebotsseite: Verkäuferinnen und Verkäufer hochwertiger Wohnungen senken ihre Preisvorstellung seltener und ziehen ein Objekt eher vom Markt, als einen großen Abschlag zu akzeptieren. Viele Inserate enden dort, ohne dass ein Verkauf zustande kommt. Für die Praxis ist das wichtig. Ein Preisindex bildet nur die tatsächlich abgeschlossenen Verkäufe ab. Eine stabile Preisreihe bedeutet deshalb nicht, dass sich ein Objekt im gewünschten Zeitraum auch zum erwarteten Preis verkaufen lässt. Gerade im hochwertigen Segment liegt das eigentliche Risiko weniger im Preis als in der Frage, ob überhaupt verkauft werden kann. Wer Beleihungswerte allein mit einem Preisindex fortschreibt, unterschätzt dieses Risiko. Bei einer Erholung dürften hier zuerst die Transaktionszahlen steigen und erst danach die Preise.


Verwendete Quelle

DIE ZEIT: Bei diesen Immobilien können Käufer den Preis wieder drücken(öffnet in neuem Fenster)